Gewaltschutzkonzept: Schutz im Alltag
„Inspiriert von der AWO Weser-Ems und von uns redaktionell aufbereitet.“
Schutz vor Grenzüberschreitungen beginnt im Alltag
Gewalt kann viele Formen haben. Sie kann psychisch, körperlich oder sexualisiert sein. Sie kann laut und sichtbar auftreten. Sie kann aber auch leise beginnen: durch Grenzüberschreitungen, durch fehlende Achtsamkeit oder durch Strukturen, die Menschen nicht genug schützen.
Genau deshalb ist ein Gewaltschutzkonzept so wichtig. Es schafft klare Regeln, gibt Orientierung und hilft dabei, Risiken früh zu erkennen. In der Eingliederungshilfe ist ein solches Konzept bereits Pflicht. In der Pflege ist es bisher vor allem eine Empfehlung.
Zwischen Nordsee und Osnabrücker Land setzt die AWO Weser-Ems nun ein Konzept um, das aus dem Geschäftsbereich „Trialog“ kommt. Es soll auch in der Altenpflege in Weser-Ems eingeführt werden.
Warum Gewaltschutz in Einrichtungen so wichtig ist
Einrichtungen der Hilfe, Pflege und Unterstützung sind besondere Orte. Menschen vertrauen sich dort anderen Menschen an. Sie brauchen Assistenz, Pflege, Begleitung oder Schutz. Dadurch entstehen Abhängigkeiten.
Das gilt besonders für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder seelischen Behinderungen. Viele von ihnen werden seit Jahrzehnten vom AWO-Geschäftsbereich „Trialog“ begleitet. Die Unterstützung findet in Einrichtungen der Eingliederungshilfe statt, aber auch aufsuchend. Ziel ist es, Menschen bei der Rückkehr in den Alltag zu unterstützen.
Diese Arbeit bekommt oft wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Das Thema Gewalt ist zudem stark tabuisiert. Häufig werden Übergriffe oder Grenzüberschreitungen erst dann sichtbar, wenn es zu extremen Situationen kommt.
Auch Pflegeeinrichtungen kennen solche Herausforderungen. Erkrankungen, Belastungen oder schwierige Lebenssituationen können zu angespannten Momenten führen. Genau deshalb braucht es klare Leitplanken.
Ein Konzept mit einem sehr menschlichen Kern
Auf den ersten Blick kann ein Gewaltschutzkonzept bürokratisch wirken. Dahinter steht aber ein einfacher und wichtiger Gedanke: Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Leben ohne Angst. Jeder Mensch hat ein Recht auf Sicherheit und Selbstbestimmung.
Gewaltschutz bedeutet deshalb mehr als Schutz vor körperlichen Übergriffen. Es geht auch um:
- Achtsamkeit im Alltag
- klare Strukturen
- transparente Abläufe
- Schutz der Privatsphäre
- verlässliche Hilfe in Krisen
- Sicherheit für Bewohner, Klienten und Mitarbeiter
Ein gutes Schutzkonzept gibt nicht nur den betreuten Menschen Sicherheit. Es hilft auch den Mitarbeitern. Sie wissen, was zu tun ist, wo Grenzen liegen und wie sie in schwierigen Situationen handeln können.
Denn nur wer sich sicher fühlt, kann frei leben, teilhaben und Vertrauen entwickeln.
Pflicht in der Eingliederungshilfe, Empfehlung in der Pflege
Seit 2021 sind Träger der Eingliederungshilfe gesetzlich verpflichtet, ein Gewaltschutzkonzept zu erstellen und umzusetzen.
In der Pflege ist ein solches Konzept bisher nur empfohlen. Dass die AWO Weser-Ems das Thema trotzdem bereichsübergreifend angeht, ist deshalb besonders. Das Konzept aus dem Geschäftsbereich Trialog soll nun auch in der Altenpflege in Weser-Ems implementiert werden.
Damit zeigt die AWO Weser-Ems, wie Gewaltschutz praktisch und interdisziplinär gedacht werden kann. Das Konzept kann als „Best Practice“-Beispiel dienen.
Vorstellung beim Qualitätsausschuss Pflege in Berlin
Janne Koch, Geschäftsbereichsleitung Trialog, und Sebastian Roth, Geschäftsbereichsleitung Wohnen und Pflegen, haben das Konzept gemeinsam beim „Qualitätsausschuss Pflege“ in Berlin vorgestellt.
Vor Ort hörten 75 Entscheider aus der Pflege zu. Weitere 200 Vertreter von Krankenkassen, vom Medizinischen Dienst und aus anderen Bereichen waren online dabei.
Sebastian Roth machte deutlich, dass das Konzept auch für andere Einrichtungen ein Impuls sein kann:
„Wenn unser Vortrag ein Impuls für die Umsetzung in anderen Einrichtungen sein kann, freuen wir uns sehr darüber. Nach unserer Adaption des Konzepts gehen wir nun aber selbst in die Implementierung – und können dann bei Bedarf gewissermaßen mit Live-Infos zur Verfügung stehen.“
Was das Gewaltschutzkonzept der Trialog leisten soll
Das Gewaltschutzkonzept verfolgt zwei zentrale Ziele. Erstens soll es das Risiko von Gewalt vorbeugend minimieren. Zweitens gibt es einen verlässlichen Rahmen für das Handeln in Krisen.
Die Zielgruppe des Konzepts umfasst:
- Klienten aller Dienstleistungsangebote
- Mitarbeiter der unterschiedlichen Angebote
- zielgruppenspezifische Angebote an verschiedenen Standorten der AWO Trialog
Dabei geht es nicht nur um einzelne Situationen. Gewalt kann auch durch Strukturen begünstigt werden. Dazu gehören zum Beispiel:
- unzureichende Versorgung
- nicht bedarfsgerechte Assistenzleistungen
- unzureichende Kommunikationsstrukturen
- mangelhafte Sicherheitsregelungen
- institutionelle Missstände
Das Konzept schaut also nicht nur auf das Verhalten einzelner Personen. Es betrachtet auch die Rahmenbedingungen, in denen Menschen leben und arbeiten.
Wertschätzung, Respekt und klare Regeln
In der Arbeit mit Menschen sind Wertschätzung und Respekt grundlegend. Mitarbeiter sollen achtsam mit Bedürfnissen und Bedarfen umgehen. Ebenso wichtig ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit Nähe und Distanz.
Auch die Privatsphäre muss gewahrt bleiben. Das gilt im Alltag genauso wie in belastenden Situationen.
Alle Mitarbeiter sind verpflichtet, den Verhaltenskodex einzuhalten. Wer diesen Kodex nicht einhält, muss mit Konsequenzen rechnen. Der Verhaltenskodex ist Bestandteil interner Regelungen.
Ein starkes Signal für Pflege und Eingliederungshilfe
Das Gewaltschutzkonzept der AWO Trialog zeigt: Schutz entsteht nicht erst im Notfall. Schutz entsteht durch Haltung, klare Abläufe und eine offene Kultur.
Gerade dort, wo Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, braucht es verlässliche Strukturen. Ein solches Konzept schützt Bewohner und Klienten. Gleichzeitig stärkt es Mitarbeiter, weil sie in schwierigen Situationen nicht allein handeln müssen.
Die Umsetzung in der Altenpflege in Weser-Ems ist deshalb mehr als ein organisatorischer Schritt. Sie ist ein klares Signal: Sicherheit, Würde und Selbstbestimmung gehören in den Mittelpunkt sozialer Arbeit.
Weitere Informationen zum Thema
Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …
… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitern zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen
in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos:
https://www.awo-ol.de/
Die Arbeiterwohlfahrt …
…gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000
Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter, um in
unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen,
sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.

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